E-Paper - 07. August 2019
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Älteste Ausserrhoderin: Frieda Altherr

Vergangene Woche, am 31. Juli, feierte Frieda Altherr im Alterswohnheim Walzenhausen ihren 104. Geburtstag. Damit ist sie die älteste Ausserrhoderin.

Walzenhausen Noch nie zuvor konnte im Alterswohnheim Walzenhausen ein solch hoher Ehrentag gefeiert werden. Bis anfangs Juni wohnten gar während einem Jahr zwei über Hundertjährige im Almendsberg.

Beth Weishaupt starb kurz nach ihrem 101. Geburtstag. Vor sieben Jahren zählte die älteste Walzenhauerin Emma Rohner gar 106. Lenze. Walzenhausen scheint ein guter Boden für hohes Alter zu sein. Denn sowohl Rohner wie Weishaupt und Altherr waren bis zu ihrem Tod, respektive mit 104 Jahren noch zu Fuss und selbständig unterwegs. Frieda Altherr war zuerst älteste Walzenhauserin, dann älteste Vorderländerin und nun älteste Ausserrhoderin. Der erste Gratulant war Gemeindepräsident Michael Litscher. Er besuchte Frieda Altherr noch vor seinen Sommerferien und brachte einen wunderbaren Blumenstrauss mit.

Fremd’s Brot ässe tuet alle guet

Die Beiden philosophierten über Gott und die Welt. Von seinem letztjährigen Besuch wusste Litscher, dass Altherr in Wald mit fünf Geschwistern aufgewachsen war. Ihr Vater hatte als Sticker und Weber Zuhause gearbeitet, die Kinder mussten schon früh mithelfen. Gleich nach der Konfirmation arbeitete sie in Bern, später in Genf, weshalb sie auch noch bis nach ihrem Hundertsten französische Worte sprach. «Fremd’s Brot ässe tuet allne guet.» Weil das Geld nicht reichte, konnte sie zur Geburt ihres jüngsten Geschwisters nicht einfach heimfahren. So sah sie es erstmals, als es schon zwei Jahre alt war.

Von Wald nach Wolfhalden

Zurück in der Ostschweiz lebte sie dann zusammen mit ihrem Mann und sechs Kindern, drei Söhnen und drei Töchtern, bis zum Umzug ins Alterswohnheim Walzenhausen in Wolfhalden, im Ortsteil Zelg. Während ihr Mann in der Holzindustrie St. Margrethen arbeitete, war sie für die Kinderschar, das Haus, die Tiere und den Garten verantwortlich. Betreffend Kinder war ihre Devise: «Ich hatte keinen Kummer mit ihnen. Aber sie mussten folgen und ich hatte sie alle zusammen lieb!» Der Haushalt musste damals noch ohne Waschmaschine funktionieren, Ausflüge wurden zu Fuss oder mit dem Velo unternommen. Erst als die Kinder ausser Haus waren, konnte sie verreisen. Ihre erste Reise ging nach Finnland.

Paradies im Almendsberg

Zum Hundertsten erklärte die Jubilarin: «Do, mis Paradies», und zeigte dabei mit weit ausgestreckten Armen auf die Geranien, den nahen Wald und die grünen Wiesen. Ihre blauen Augen leuchteten. Obwohl das Augenlicht abnimmt und die Ohren auch nicht mehr alles hören, was um sie herum gesprochen wird, ist Altherr interessiert an ihrer Umgebung. Gerne sitzt sie nachmittags in der Kaffeestube. Ab und zu kommentiert sie das Geschehen dort mit einem ihrer bekannten träfen Sprüche. Danach macht sie sich wieder auf, um durch den Gang zu marschieren, teilweise gar die Treppe hinauf in den ersten Stock. Obwohl die 104-jährige Jubilarin eher still geworden ist und morgens gerne ausschläft, Feiern und Besuche liebt sie nach wie vor. So freut sie sich jedes Jahr über ihr «Doppelfest»: zuerst ihren Geburtstag und zwei Tage später das Fest der Eidgenossenschaft, welches sehr zu ihrer Freude seit einigen Jahren als öffentlicher Anlass des ganzen Dorfes über den Mittag gefeiert wird. pd

Rheintaler Bote vom Mittwoch, 7. August 2019, Seite 4 (7 Views)

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