E-Paper - 07. August 2019
Rheintaler Bote
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«Mir liegt das Wohl der Thaler Einwohner am Herzen!»

Von Marino Walser

Rossano Sarcinella (53) hat sich bis zum Schluss Zeit gelassen, die Kandidatur für das Amt des Gemeindepräsidenten in Thal bekannt zu machen. Der parteilose International Sales Manager sieht es als Vorteil, ohne politische Erfahrungen ins Rennen gehen zu können.

Herr Sarcinella, Sie haben mit der offiziellen Eingabe Ihrer Kandidatur bis ganz zum Schluss gewartet, weshalb?

Rossano Sarcinella: Das hatte sicherlich auch ein wenig mit Taktik zu tun. Einfach, weil ich wissen wollte, mit wem und vor allem gegen wie viele Kandidaten ich antreten werde. Es hat jedoch auch ein wenig länger gedauert, da ich mit meiner Familie intensiv über eine mögliche Kandidatur gesprochen habe. Der Grund dafür war, dass ich von verschiedenen Seiten angesprochen wurde, ich solle, falls Robert Raths in Rorschach gewählt werde, in Thal als Gemeindepräsident kandidieren. Anfangs nahm ich es einfach zur Kenntnis. Als mich dann aber mehrere Leute, unabhängig voneinander, immer wieder darauf angesprochen hatten, fing ich an, mir ernsthaft Gedanken über eine Kandidatur zu machen. Nach einer Eigenanalyse merkte ich, dass ich gute Voraussetzungen für dieses Amt mitbringe. Ich kann also mit Sicherheit sagen, dass meine Kandidatur alles andere als ein Spontanentscheid ist.

Sie sprachen soeben von der Eigenanalyse und darüber, dass Sie gute Voraussetzungen mitbringen. Wie sehen diese denn aus?

Ich stufe als ganz wichtig ein, dass ich keiner Partei angehöre. Damit kann ich Geschäfte, Projekte und andere Angelegenheiten neutral betrachten und beurteilen, ohne der vorgeschriebene Linie einer Partei folgen zu müssen. Des Weiteren bin ich als gebürtiger Italiener und International Sales Manager interkulturell unterwegs. Dies hilft ganz sicher, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Ausserdem bin ich authentisch.

Über politisches Rüstzeug verfügen Sie aber kaum, oder?

Einen politischen Background besitze ich nicht, das ist richtig. Dies vor allem dadurch, da ich aufgrund meiner Arbeit oft im Ausland unterwegs bin und die dadurch entstehenden unregelmässigen Arbeitszeiten es unmöglich machen, mich als Milizler oder amtlichen Politiker einzubringen. Politisches Interesse hege ich aber schon seit Langem. Auch das politische Geschehen in Thal verfolge ich und mache mir meine Gedanken darüber.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Gemeinde Thal?

In den letzten 20 Jahren wurde vieles sehr gut gemacht. So zum Beispiel die Reduktion des Steuerfusses. Und auch die Infrastruktur wurde auf ein gutes Niveau gehievt. Damit spreche ich beispielsweise das entstandene Areal in Buriet an. Doch die Medaille hat immer zwei Seiten. Der Steuerfuss wurde reduziert, die Pro-Kopf-Verschuldung ist aber immens hoch. Und das ist ein Problem, denn die Zeiten werden nicht immer einfach sein. Will man in Zukunft mithalten, ist dies sicherlich ein Handicap.

Und wie wollen Sie dieses Handicap in Zukunft beheben?

Da muss ich ehrlich sein und gestehen, dass ich es im Moment nicht sagen kann. Ich habe keinen Einblick in die Finanzen der Gemeinde. Jedoch bin ich mir sicher, dass es Lösungen gibt, welche ich auch finden würde.

Demnach können Sie auch nichts über den Wegzug von Stadler Rail und dem möglichen Loch in der Steuerkasse sagen?

Sicherlich wäre es mein Ziel, den Steuerfuss in Zukunft nicht erhöhen zu müssen. Denn eine Erhöhung ist für den Bürger unattraktiv und somit auch nicht gut für die Zukunft der Gemeinde. Wie sich die Wirtschaft in Zukunft entwickelt, wissen wir nicht. Wir müssen aber auf die Entwicklung reagieren können. In den letzten Jahren konnten beinahe alle Gemeinden um Thal herum den Steuerfuss senken. Dies ist demnach der guten Wirtschaft und nicht einzelnen Personen oder Gemeinden zu verdanken. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Soweit ich weiss, wird Stadler Rail nicht von heute auf morgen verschwinden. Das heisst, dass wir noch ein wenig Zeit haben, darauf zu reagieren. Schön wäre es, wenn die Gemeinde, zusammen mit Swisscanto einen Ersatz finden, der sich eins zu eins auf die Steuerkasse auswirkt.

Als Verkäufer richtet sich Ihr Fokus sicherlich auf die Finanzen. Gibt es aber auch andere Projekte, welche Sie als wichtig erachten?

Die Finanzen sind wichtig und ich würde sie nicht als zweitrangig einstufen. In meinem Beruf spricht man von Umsatz. In der Gemeinde von Budget. Diese Budget ist vorgegeben und damit muss man wirtschaften zum Wohl der Gemeinde. Sicherlich würde ich aber auch Entwicklungen im Bereich Schule und Bildung sowie Verkehr und Infrastruktur hinterfragen. So gibt es beispielsweise bei der Burietstrasse und dem Bahnübergang in Staad enormen Handlungsbedarf. Des Weiteren muss beim Schulweg von Staad über den Buechberg gehandelt werden. Dieser beinhaltet ein enormes Risiko für die Kinder. Zudem muss die Infrastruktur bei der Strasse vor der Marienburg dringend geprüft werden und bei der Abzweigung Rheineck/Thal sollte meiner Meinung nach ein Kreisel realisiert werden. Dies müsste jedoch mit dem Kanton diskutiert werden.

Sie sprechen soeben den Kanton an. Um einzelne Geschäfte beim Kanton gewichten zu können, sind Beziehungen hilfreich. Verfügen Sie über ein politisches Netzwerk?

Ich kenne schon Leute, klar. Ein politisches Netzwerk, wie es beispielsweise Felix Bischofberger vorweisen kann, habe ich nicht. Um ein solches aufzubauen, bräuchte ich sicherlich Zeit. Dank meiner offenen Art wäre dies jedoch kein grosses Problem. Aber auch ein eingesessener Politiker, der über ein grosses Netzwerk verfügt, kann solche Projekte nicht von heute auf morgen umsetzen.

Wie sehr war der mögliche Lohn des Thaler Gemeindepräsidenten Ansporn, dafür zu kandidieren?

Wenn ich ehrlich bin, wusste ich bis vor Kurzem nicht einmal, wie viel der jetzige Gemeindepräsident verdient. Ich finde, es ist viel Geld. Jedoch war der Lohn nie Ansporn, dieses Amt ausführen zu wollen. Mir liegt das Wohl der Thaler Einwohner am Herzen. Und darum kandidiere ich für dieses Amt.

Wie sieht nun das weitere Vorgehen bezüglich Ihrer Kandidatur aus?

Seit heute ist meine Internetseite öffentlich zugänglich. Dort erfahren die Leute auch noch etwas über mich. Des Weiteren habe ich Flyer machen lassen und mit diesen gehe ich «Klinken putzen», wie man so schön sagt. Natürlich werde ist es mein Ziel, das ich vermehrt in Thal unterwegs bin und mit den Leuten ins Gespräch komme. Mir liegt vieles daran, das Empfinden der Thaler Bevölkerung zu spüren und darauf eingehen zu können.

Rheintaler Bote vom Mittwoch, 7. August 2019, Seite 20 (8 Views)

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