E-Paper - 07. August 2019
Rheintaler Bote
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Der brutale Mann

Über 80 Prozent der Gewalttaten werden von Männern begangen. Kein Tag in den Schweizer Medien, an dem der Mann nicht irgendwo brutal zuschlägt oder tötet! Die Brutalität hat gemäss Studien deutlich zugenommen und ist altersunabhängig. Tatsache ist auch, dass jede Kriminalitätsstatistik der Welt zum selben Schluss kommt: Die Brutalität ist ein Männerproblem. Diese Erkenntnis ist banal und alt. Und trotzdem wird sie verdrängt und entschuldigt! Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre es niemandem in den Sinn gekommen, bei einer Rauferei die Polizei zu rufen, selbst wenn Blut floss. Die Ohrfeige hatte in der Kindererziehung ihren festen Platz, und für die Brutalität in der Familie/Ehe fühlte sich (leider) kein Gesetzgeber zuständig. Heute wird zudem nicht selten für das hohe Brutalitätspotenzial biologische Ausreden verwendet: Testosteron sei für männliche Aggression verantwortlich. Diese Aussage ist in unserem Denken verankert und wird in Diskussionen immer wieder gerne in die Runde geworfen. Das sei halt so, heisst es dann jeweils. Die Brutalität kann auch eine faszinierende Wirkung haben, gepaart mit Macht, Sieg und Anerkennung! Viele sind jedoch davon überfordert. Sie sind unfähig, auf sie zu reagieren. Sie fühlen sich hilflos, sinnlos und hassen sich dabei am meisten, weil sie keinen Ausweg finden. Sie sind im eigenen Stolz so verletzt, dass sie nur noch den Weg der Brutalität sehen! Dennoch weiss heute jeder Mann, dass es Brutalität nicht geben darf und sie darf nicht mit derselben beantwortet werden. Dazu wurden wir ja erzogen, und das haben wir verinnerlicht. Doch wir haben verlernt, mit der Brutalität umzugehen, sie anzusprechen. Wir vermeiden, ächten sie lieber und verachten die, die sie verüben. Brutalität ist salonfähig geworden und ist dennoch ein Tabu! Im Mann schlummert eine Bestie. Vielleicht in jedem von uns, auch wenn wir davon nichts wissen wollen brutal sind ja immer die anderen. Doch jeder weiss, dass die Brutalität jederzeit ausbrechen kann, wenn Bedingungen herrschen, die sie begünstigen.

Am Dienstag, 13. August, um 20 Uhr, findet im evang. Kirchgemeindehaus an der Neugasse 6 in Widnau der nächste Männertreff statt. Der Männertreff Rheintal ist politisch und konfessionell neutral, kostenlos und unverbindlich.

Rheintaler Bote vom Mittwoch, 7. August 2019, Seite 13 (8 Views)

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