E-Paper - 17. April 2019
Rheintaler Bote
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Das aussergewöhnlichste Theater der Ostschweiz

Von Cassandra Wüst

Im Komiktheater St. Gallen sind Menschen mit Beeinträchtigung die Stars auf der Bühne. So auch Joanna Rohner aus Kriessern. Ihre Verhaltensweisen, die im Alltag als Behinderung gelten, werden in der Theaterarbeit zum einzigartigen Ausdrucksmittel.

Kriessern Menschen mit einer Beeinträchtigung besitzen teilweise ausgeprägte Fähigkeiten und sind im künstlerischen Bereich wahre Talente. Doch im Gegensatz zu uns «Normalen», ist es ihnen oft nicht möglich, dies in ihrem Alltag zu integrieren. Hier knüpft das Komiktheater St. Gallen an. Seit Oktober 2017 bieten sie Personen, welche schauspielerisch, tänzerisch oder musikalisch begabt sind, einen Arbeitsplatz an. Damit schufen sie ein einzigartiges Angebot in der Ostschweiz. Zurzeit ist das Theater-Team zu fünft. Neue Talente dürfen sich jedoch jederzeit bewerben. Initiant und künstlerischer Leiter des Komiktheaters ist Olli Hauenstein, bekannt durch «Clownsyndrom». Ihr Ziel ist es, sich nicht an den Normen des «Nichtbehindertentheaters» anzupassen, sondern eigene, kreative Wege zu gehen. Dabei ist auch immer eine grosse Prise Humor und Vielfalt im Spiel. Einer der leuchtenden Sterne auf der Bühne ist Joanna Rohner aus Kriessern.

Schon immer ein Clown gewesen

Die 20-jährige Joanna ist seit letztem Sommer Teil der Theatergruppe. Dazu inspiriert hat sie das «Clown-Syndrom» von Olli Hauenstein und Eric Gadient. «Wir sahen uns das Theater mit der ganzen Familie an. Anschliessend wurden auch Flyer vom Komiktheater aufgelegt und Joanna erzählte in den darauffolgenden Wochen die ganze Zeit, sie wolle auch ins Theater», erinnert sich die Mutter, Claudia Rohner. Nach einigen Schnuppertagen stand für Rohner schnell fest: Sie will auf die Bühne. «Sie war schon immer ein Clown und zauberte allen Leuten ein Lachen ins Gesicht. Daher hat es super gepasst», erzählen die Eltern und schmunzeln. Der Wechsel von der Industriewerkstatt im Rhyboot auf die Theaterbühne hat die Kriessnerin in einen ausgeglicheneren Menschen verwandelt. «Wir haben gemerkt, dass Joanna nun viel zufriedener nach Hause kommt und sie zeigt viel mehr Mimik als früher», erzählt der Vater, Stefan Rohner.

Der Traum von der Tournee

Nun steht Nana Joannas Theatername seit rund einem halben Jahr auf der Bühne. Ihre Arbeit gefällt ihr sehr, wie sie erzählt: «Es ist mega cool. Ich liebe alle meine Theatergspännli.» Während Trommeln, Tanzen und Seiltanzen bei ihr hoch im Kurs sind, schüttelt sie jedoch energisch den Kopf, wenn es ums Schminken geht: «Phu, nein danke», sagt sie. Die Rollen, welche Joanna und die anderen Mitglieder spielen, werden individuell auf die Personen zugeschnitten. Ihr Tagesablauf, in welchem beispielsweise auch Bühnenbildgestaltung oder Stimmbildung enthält, sind natürlich die Proben ein wichtiger Bestandteil. Immer wieder haben sie kleinere Auftritte. Ihr grosser Traum steht jedoch erst noch bevor. Nächstes Jahr will das Komiktheater auf Tournee gehen. Um die Grundkosten zu finanzieren, benötigen sie eine Unterstützung von mindestens 10 000 Franken. Um jedoch eine umfassende Tournee zu realisieren noch mehr. Via Crowdfunding sind sie zurzeit auf Spendensuche. «Es wär super, wenn wir nächstes Jahr viele Auftritte haben. Obwohl ich immer ein bisschen nervös bin», sagt Joanna und lacht.

www.100-days.net/projekt/komiktheater

Rheintaler Bote vom Mittwoch, 17. April 2019, Seite 3 (18 Views)

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